Stell Dir vor: Dein Markenlogo erscheint in jedem Posteingang neben Deinem Absendernamen — noch bevor die Mail geöffnet wird. Kostenlose Werbung, bei jedem einzelnen Send. Genau das verspricht BIMI. Daniel Deneweth, Head of Email Deliverability Services bei Oracle Digital Experience Agency, erklärt, warum der Standard gerade einen Schub bekommt — und warum er gleichzeitig komplizierter wird.
Was ist BIMI, und warum wurde es eingeführt?
If brands fully authenticate, they can implement BIMI, which allows them to have their logo displayed next to their sender name.
BIMI — Brand Indicators for Message Identification — wurde 2019 eingeführt, weil der reine Strafansatz (schlechte Zustellbarkeit für nicht-authentifizierte Sender) nicht ausreicht. Viele Marken hatten ihre E-Mail-Authentifizierung auch Jahre nach der Einführung von SPF, DKIM und DMARC noch nicht vollständig umgesetzt. BIMI sollte das mit einer Belohnung ändern: vollständige Authentifizierung = Logo im Posteingang.
Die Vorteile laut Deneweth: kostenlose Markenimpressionen unabhängig von Öffnungsraten, mehr Vertrauen bei Empfängern (laut Red-Sift/Entrust-Studie steigt das Vertrauen um 90%), und eine frühere Verizon-Studie zeigte einen Öffnungsraten-Uplift von durchschnittlich 10%. Wichtige Einschränkung dabei: Der Novelty-Effekt schwindet. Wer BIMI nicht implementiert, wird langfristig schlechter aussehen als Wettbewerber, die es tun — nicht umgekehrt.
Die Fragmentierung: Kein einheitlicher Standard mehr
Das ist der überraschende Teil des Artikels, den ich besonders wichtig finde: BIMI ist durch Sonderregelungen von Google und Apple kein einheitlicher Standard mehr.
Gmail akzeptiert neben den teuren VMCs (Verified Mark Certificates, erfordern ein eingetragenes Warenzeichen) nun auch günstigere CMCs (Common Mark Certificates) ohne Warenzeichenpflicht. Yahoo und AOL haben VMCs und CMCs nie vorgeschrieben. Apple hat mit “Branded Mail in Apple Business Connect” einen völlig eigenen Weg eingeschlagen, der weder VMC noch CMC erfordert — aber eine vollständige DMARC-Authentifizierung voraussetzt.
Das Ergebnis: Wer alle Wege korrekt umsetzt, erreicht BIMI-kompatible Inboxen in mehr als 90% der gesendeten E-Mails (Litmus-Daten). Das ist eine dramatische Verbesserung gegenüber den früheren 33% und macht BIMI inzwischen zum De-facto-Standard.
Die 6 Schritte zur Umsetzung
Deneweth skizziert einen klaren Implementierungspfad: DKIM und SPF einrichten, DMARC mit restrictiver Policy (p=quarantine oder p=reject) veröffentlichen, BIMI-Zertifikat beschaffen, Logo als SVG hosten, BIMI-TXT-Eintrag im DNS setzen und die Sender-Reputation dauerhaft pflegen. Der Prozess dauert meist einige Wochen, weil verschiedene Teams — Marketing, IT, ggf. externe Dienstleister — beteiligt sind.
Das Originalmaterial enthält eine detaillierte technische Anleitung für jeden dieser Schritte. Besonders empfehlenswert für alle, die DMARC bereits implementiert haben und den nächsten Schritt in Richtung Inbox-Sichtbarkeit gehen wollen. Auch für technische Entscheider in E-Commerce-Teams, die die Zustellbarkeit langfristig absichern wollen.