Eine 5%-ige Preiserhöhung kann zu 50% mehr Gewinn führen (!!!). Wann hast Du das zuletzt ehrlich durchkalkuliert?
Jake Cohen, VP of Insights & Strategy bei Klaviyo, hat diesen Artikel nach Gesprächen mit zahlreichen Klaviyo-Kunden geschrieben — mitten in der Zoll-Unsicherheit rund um US-Importzölle. Sein Befund: Ein Drittel der befragten Brands tut schlicht gar nichts. Das ist als menschliche Reaktion verständlich, aber wirtschaftlich gefährlich. Wer jetzt einfriert, verschenkt einen wichtigen Vorbereitungshorizont.
7 Strategien für die nächsten Monate
Jake strukturiert seinen Plan in sieben konkrete Bereiche.
Lagerstrategie klären. Liegt Dein Inventar noch im Ausland? Macht es Sinn, es jetzt in die USA zu holen — solange eine Zoll-Pause noch läuft? Die de-minimis-Regelung könnte dauerhaft wegfallen. Besser jetzt entscheiden als später unter Druck.
Supply-Chain-Exposition bestimmen. Jake unterscheidet drei Szenarien: kein China-Exposure, teilweises Exposure, vollständiges Exposure. Je nach Situation sind die Handlungsempfehlungen sehr unterschiedlich — andere Lieferanten suchen, Produktion verlagern, Bonded Warehouses prüfen, Transportwege optimieren.
Produktkatalog und Bestellrhythmus auditieren. Welche Produkte haben die schlechteste Marge? Wo hängen Bestellzyklen? Kann man das Sortiment straffen?
Preiselastizität testen. Jake zitiert Drew Marconi (CEO von Intelligems) mit einem Satz, der mich direkt überzeugt hat:
a 5% price increase can lead to a 50% increase in profits
Das klingt zunächst kontraintuitiv. Aber: Jeder Euro Preiserhöhung fließt direkt in den Deckungsbeitrag, solange die Conversion nicht dramatisch einbricht. Und ob sie einbricht, weiß man eben nur durch Testen. Wenn die Zölle doch nicht kommen, kann man Preise auch wieder senken — und dabei ordentlich Lärm machen.
Liquidität aufbauen. Kreditlinie öffnen, Zahlungsziele verlängern, Lagerbestand mit Aktionen abverkaufen. Wer Liquidität hat, kann handeln. Wer sie nicht hat, reagiert.
Offen mit Kunden kommunizieren. Das ist für mich der wichtigste Punkt im ganzen Artikel. Laut einer Umfrage von First Insight plante fast ein Drittel der US-Verbraucher, bei steigenden Preisen auf Essential Items zu reduzieren. Diese Menschen wollen verstehen, was passiert — und sie wollen das von Marken, denen sie vertrauen. Jake zeigt anhand von drei echten Marken-Beispielen (BÉIS, Officine Générale, Wildfang), wie Transparenz in der Praxis aussieht: direkt, markenkonform, ohne Panic-Selling.
Tech-Stack konsolidieren. Kosten im Griff behalten, weniger Tools, mehr Effizienz — mit KI und Automatisierung als Hebel.
Was bedeutet das für Dein E-Mail-Programm?
Punkt 6 ist für uns als E-Mail-Marketer der relevanteste von allen. Jake ist klar: Kunden, die gerade verunsichert sind, reagieren empfänglich auf ehrliche, verletzliche Kommunikation. Das ist kein Zeitraum für aggressiven Sales-Push. Es ist der Zeitraum, in dem Du mit Deinen Abonnenten das aufbaust, was langfristige Kundenbindung ausmacht — echtes Vertrauen.
Kurz gesagt: Wer die nächsten Monate gut nutzt, sitzt später — egal wie die Zoll-Saga endet — besser da als die Konkurrenz, die eingefroren ist.
Für wen lohnt sich das Original? Besonders für Brands mit China-Exposure, für alle, die sich fragen, was eine Bonded Warehouse überhaupt ist, und für alle, die noch nicht wissen, wie sie das Thema Preiserhöhung mit ihren Kunden kommunizieren sollen. Jake liefert echte Orientierung in einer sehr unübersichtlichen Lage.
Hinweis: Der Originalartikel enthält ausdrücklich keine Rechts- oder Finanzberatung.